Wortreiche Erfahrungen

Alte und ungebräuchliche Worte werden auf Herkunft und Bedeutung analysiert.

Tag: Mehrdeutig

alldieweil

Beispiel: „Im Park wurde er immer traurig, alldieweil sie ihn dort damals verließ.“ — „In der Kirche spielt noch die Orgel, alldieweil hat man sich vor der Kirche zum Spalier aufgestellt.“

Herkunft / Bedeutung: Vorformen des Begriffs kommen aus dem 9. Jahrhundert vom althochdeutschen „thiu wīla sō“, wörtlich: so lange wie. Es verkürzte sich im Laufe der Zeit und wurde im Mittelhochdeutschen zu „die wīle“ (während, solange). Schließlich im 15. Jahrhundert wurde es zu „weil“.

„Alldieweil“ wird heute noch noch scherzhaft verwendet und hat im Grunde zwei Bedeutungen. Im ersten Beispiel ist es synonym für „weil“, im zweiten bedeutet es „währenddessen“.

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Puff

Beispiel: „Hans geht jeden Mittwochabend in den Puff.“ — „Er gab ihr einen Puff in die Seite.“

Herkunft / Bedeutung: Wohl landläufig bekannt ist „Puff“ als umgangssprachlicher Begriff für Bordell oder abwertend für ein Etablissement. Der Ursprung geht auf ein Backgammon-Spiel gleichen namens zurück und entwickelte sich aus der Redewendung „Mit einer Frau Puff spielen“ oder auch „Puff spielen gehen“. Seit dem 18. Jahrhundert ist es im deutschen Sprachgebrauch bekannt. Es wurde also ein Euphemismus genau wie das Verb „vögeln“.

Puff hat allerdings auch mehrere weitere Bedeutungen. So kann es ein (leichter) Schlag sein, ähnlich wie „Knuff“. Puff kann auch ein Bausch sein, wie zum Beispiel in Puffärmel oder die Anschwellung in einem Chromosom.

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Balg

Beispiel: „Dieses freche Balg mit mich angespuckt!“ — „Die Fachkamera hat einen Balg zwischen Body und Objektiv.“

Herkunft / Bedeutung: Ursprünglich bezeichnet Balg eine Tierhaut oder eine (aus Tierhaut gefertigte) Blase. Eine Luftpumpe kann einen Balg (Blasebalg) enthalten. Es geht auf das mittelhochdeutsche „balc“ zurück, welches ins althochdeutsche „balg“ übernommen wurde. Insofern ist Ball auch von Balg abgeleitet.

Der abschätzige Ausdruck Balg für ungezogene Kinder geht auf den ursprünglichen Begriff zurück. Wie diese Herleitung entstanden ist, bleibt unklar.

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Diät

Beispiel: „Die Diäten im Bundestag werden um 5 Prozent angehoben.“ — „Maria hält ihre Diät nicht durch, die Schokolade ist zu verlockend.“

Herkunft / Bedeutung: Es kommt vom griechischen „díaita“ und wurde schon von Hippokrates geprägt. Es bedeutet „gesunde Lebensweise“ und wurde später ins lateinische „diaeta“ übernommen.

Die andere Diät, also die Bezahlung von beispielsweise Politikern, ist abgeleitet von lateinisch „dies“ (Tag) und bedeutet wörtlich eigentlich „Tagessatz“.

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Plinse

Beispiel: „Musst du jetzt heulen, du Plinse?“ — „Im Kindergarten gab es heute Plinsen zu essen.“

Herkunft / Bedeutung: Dieses regionale Wort ist hauptsächlich in Sachsen und Ostdeutschland gebräuchlich. Es bezeichnet einen Eierpfannkuchen, in Nordsachsen auch einen Kartoffelpuffer.

Es leitet sich vom obersorbischen „blinc“ bzw. „plinc“ ab, welches von „mlinc“ abgeleitet ist. „Mlinc“ stammt vom obersorbischen „mleč“ („Mühle“). Die russischen „Bliny“ sind den Plinsens nicht nur sprachlich sondern auch kulinarisch sehr ähnlich.

In Österreich kennt man Plinsen unter dem Begriff Palatschinken.

Vom eigentlichen Begriff abgeleitet ist das Schimpfwort „Plinse“ für einen weichlichen oder ungeschickten Menschen.

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Busen

Beispiel: „Sie hat die Stelle nur wegen ihres großen Busens bekommen.“ — „Wir waren am Jadebusen im Urlaub.“

Herkunft / Bedeutung: Das Wort „Busen“ bezeichnete ursprünglich eine Einbuchtung. Diese Bedeutung ist jetzt noch bei Meerbusen geläufig, also bei großen Buchten. Die anatomische Bezeichnung Busen bezog sich früher eher auf die Einbuchtung zwischen den weiblichen Brüsten. Heutzutage ist Busen allerdings eher im Gebrauch für die (meist weibliche) Brust.

Sprachlich ist Busen verwandt mit „Bausch“ (siehe „aufbauschen“) und stammt vom mittelhochdeutschen „buosem“ (etwa: Beule) ab. In der englischen Sprache wurde es mit „bosom“ (Brust, Busen) fast wörtlich übernommen. Abgeleitete Begriffe von Busen: Busenfreund (sehr enger Freund), barbusig (meist Frauen; mit nacktem Oberkörper), Büstenhalter oder auch vollbusig.

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Schmock

Beispiel: „Er ist ein unangenehmer Schmock“ — „Mein Monitor ist wieder total verschmockt“

Herkunft / Bedeutung: Das jiddische Wort „Schmock“ bedeutet abwertend Tölpel oder unangenehmer Mensch. Davon abgewandelt gibt es dann mehrere Bedeutungen, die auch „verschmutzt“ oder „leeres Gerede“ bedeuten. Zudem gibt es regionale Verwendungen: In Hamburg wird es für „abgelehnter Zuhälter“ verwendet.

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kernig

Beispiel: „Arnold ist ein kerniger Typ. Er ist ein Macher!“ — „Respekt, das war eine kernige Rede.“ — „Auf dem Markt habe ich kernige Weintrauben gekauft“

Herkunft / Bedeutung: Dieses Adjektiv hat gleich mehrere Bedeutungen. Im ursprünglichen Sinn bedeutet es „einen oder mehrere Kerne enthaltend“. Im übertragenen und häufigeren Sinn bedeutet es „urwüchsig, kraftvoll, stark“ oder auch „fest“.

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Tölpel

Beispiel: „Bei dem Angebot hat er sich übertölpeln lassen.“ — „Dieser Tölpel hat mich fast umgelaufen, als er sich umgedreht hat“

Herkunft / Bedeutung: Diesen Ausdruck für eine ungeschickte Person oder eine dumme oder unüberlegte Handlung hat einigen Quellen zufolge Luther im 16. Jahrhundert in die Gemeinsprache eingeführt. Davon abgeleitet sind die Begriffe: Tölpelei, übertölpen, tölpelhaft.

Synonyme für Tölpel in anderen Sprachgebieten sind: Tollpatsch, Stoffel, Tropf, Esel, Lackel, Depp um nur einige zu nennen. Das Wort „Tollpatsch“ ist etymologisch auch mit Tölpel verwandt. So ist das Wort aus dem Mittelhochdeutschen „Dörpel“ (Bauer, Dörfler) abgeleitet.

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