Wortreiche Erfahrungen

Alte und ungebräuchliche Worte werden auf Herkunft und Bedeutung analysiert.

Tag: 20. Jahrhundert

Sütterlin

Beispiel: „Das alte Kirchenbuch ist noch in Süttelin geschrieben.“

Herkunft / Bedeutung: Die Süttelinschrift geht auf den Berliner Grafiker Luttwig Sütterlin zurück, der 1911 im preußischen Auftrag eine Ausgangsschrift entwickelt hat. Diese wurde zwischen 1915 und 1940 sowie Anfang der 1950er in der Schule gelehrt. Viele Buchstaben dieser Schreibschrift sind aus heutiger Sicht nicht ohneweiteres lesbar, gerade die Buchstaben e, u, n und m sind schwer unterscheidbar.

Die SZ-Ligatur, also der aus den Buchstaben s und z zusammengesetzte Buchstabe „ß“, ist in Sütterlin tatsächlich auch noch auf die jeweiligen Buchstaben zurückzuführen. Wobei in Sütterlin zwischen dem normalen „s“ und dem „s“ am Wortende unterscheidet. Das „ß“ ist in der Schweiz komplett unüblich, stattdessen verwendet man dort „ss“, beispielsweise „Strasse“ statt „Straße“.

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Schlawiner

Beispiel: „Der Hannes ist ein Schlawiner! Geht in den Urlaub und sagt mir nichts davon…“

Herkunft / Bedeutung: Schlawiner geht auf die Bezeichnung für Slowenen bzw. Slowanier zurück und wurde in den 1930’er Jahren als Schimpfwort für osteuropäische Ausländer verwendet. Angeblich kamen aus dieser Region Hausierer, die als gerissene Geschäftemacher bekannt waren.

Heutzutage wird der Begriff mit einem Augenzwinkern meist anerkennend verwendet, vergleichbar dem Tausendsassa. Es bezeichnet sowohl einen gerissenen, lebhaften Menschen als auch unzuverlässige Personen. Häufig werden auch Kinder als Schlawiner bezeichnet.

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Kokolores

Beispiel: „Was ihr da macht, ist doch alles Kokolores!“

Herkunft / Bedeutung: Die Herkunft ist ungeklärt. Möglicherweise wurde es vom mittelniederdeutschen „gokeler“ (Gaukler) abgeleitet gebildet. In der Berliner Szene der 1930’er Jahre wurde Kokolores auch für durch Kokain verursachten sinnlosen Redefluss verwendet. Es bezeichnet Geschwätz oder unsinniges Gerede.

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Hindenburglicht

Beispiel: „Stell ihm ein Hindenburglicht ins Fenster, wenn er nach Hause kommt.“

Herkunft / Bedeutung: Dieser heute nicht mehr gebräuchliche Begriff bezeichnet den frühen Vorgänger unserer Teelichter. Benannt nach dem Oberkommandierenden des deutschen Heeres Paul von Hindenburg. Es war ein Dosenlicht mit einem dicken Docht in der Mitte und Fett bzw. Talg als Brennmaterial.

Seit dem Einsatz im Ersten Weltkrieg wurde das Dosenlicht weiter zum Teelicht verbessert und ist nun gebräuchlicher Gegenstand in jeder Wohnung. Damals wurde es während der Verdunkelung bei Bomberangriffen als Notlicht eingesetzt.

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schlotzig

Beispiel: „Risotto muss schlotzig sein!“

Herkunft / Bedeutung: Es bedeutet „sämig“ oder auch „schleimig, aber eher cremig“. Das Wort wurde in Funk und Fernsehen vom TV-Koch Tim Mälzer geprägt und hat sich so mit dem Rezept für Risotto verbreitet. Ob es dieses Wort überhaupt „offiziell“ gib und wie es überliefert ist, kann derzeit nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Möglicherweise leitet es sich vom schwäbischen „schlotzen“ ab, dort bedeutet es „genüsslich trinken. Eine Anfrage bei Herrn Mälzer über Ursprung und Verwendung läuft bereits und sollte in Kürze beantwortet sein.

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Chuzpe

Beispiel: „Er ging mit einer außergewöhnlichen Chuzpe ins Bewerbungsgespräch und überzeugte alle.“

Herkunft / Bedeutung: Das Wort „Chuzpe“ (IPA: [ˈχʊʦpə]) kommt aus dem Jiddischen. Es ist abgeleitet vom hebräischen  „חוּצפָּה“ [χuʦˈpa(ː)ʔ] und bedeutet dort „Dreistheit, Frechheit, Unverschämtheit“. Im heutigen Gebrauch ist es eher anerkennend und bedeutet, dass jemand mit vollkommener Unverfrorenheit oder Schlitzohrigkeit auftritt.

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Pornografie

Beispiel: „Boah ey! Kafka war voll Porno!“ — „Die Pornobrille nimmst du in der Disco aber ab, oder?“ — „Man hat auf seinem Rechner pornografische Bilder gefunden.“

Herkunft / Bedeutung: Das Wort wurde im 19. Jahrhundert vom französischen „pornographie“ entlehnt. Ursprünglich bedeutet „pornographe“ (frz.) „Verfasser unzüchtiger Schriften“. Ein früherer Ursprung liegt in der lateinischen und altgriechischen Sprache. Lateinisch „porna“ ist ein von Huren aufgeführtes Schauspiel, altgriechisch „πόρνη“ (pórnē) bedeutet Hure. Schließlich bedeutet das altgriechische „πορνηεία“ (porneía) Unzucht, der zweite Wortteil „γράφειν“ (gráphein) bedeutet „schreiben“.

Durch sexuelle Aufklärung und -Befreiung in der Mitte des letzten Jahrhunderts und mithilfe moderner Medien wurde Pornografie weiter in die gesellschaftliche Mitte verbreitet. Zu den oben genannten Schriften kamen schließlich mit fortschreitender Technik auch Bilder und Videoaufnahmen. Man kann eine gewisse Form der Pornografie tatsächlich durch alle Zeitalter hindurch nachweisen. Das Einfließen von pornografischen Elementen in die Popkultur und moderne Werbung würde diesen Artikel allerdings sprengen.

Im heutigen Jugendsprachgebrauch kam es vom ursprünglichen Wort zu einigen neuen Wortkreationen zum Beispiel Pornobalken (für Oberlippenbart, ursprünglich ein Zensurbalken) oder Pornobrille (für eine große, auffällige Sonnenbrille, scherzhaft für Pilotenbrille). Auch das Wort „Porno“ kann heute als Umschreibung für ein Medium genutzt werden, in dem relativ sinnfrei aber explizit gewisse Inhalte präsentiert werden. Beispiel: „Boah, diese Zahlenkolonnen sind ja ein reiner Buchhalter-Porno.“

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